John Langdon Haydon Langdon-Down vor 175 Jahren geboren.
Nicht nur Namengeber des Down-Syndrom, sondern ein Wegbereiter der Sozialpädiatrie.
Wir müssen die höchstmögliche Kultur,
die beste physische, sittliche und intellektuelle Ausbildung anbieten,
um jenen, die den größten Anspruch auf unsere Sympathie haben,
neue Bereiche des Glücks zu eröffnen.
Dieser Satz ist aus einer 1887 vor der Medizinischen Gesellschaft von London gehaltenen Vorlesung überliefert. Er kann als Motto über der Lebensarbeit des am 18. November 1828 in Torpoint/Cornwall (England) geborenen Arztes J.L.H. Down stehen.
Nach Schulbesuch, der Mitarbeit im elterlichen Geschäft, Ausbildung, Studium und Examen bei der Pharmazeutischen Gesellschaft, am London Hospital und an der Universität zu London wird er 1858 Anstaltsarzt und Superintendent in Earlswood, einer der ältesten Einrichtungen (gegründet 1847) für Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung. Die Gründer hatten dabei ganz besondere Grundsätze:
"Besuchern ... wird eine neue Phase der Wohltätigkeit und vorurteilsfreien Menschlichkeit geboten. Sie werden nicht nur viel über die zum Wohle der Geistesschwachen eingesetzten Hilfsmittel erfahren, sondern auch die Bedeutung der Einrichtung erkennen und ... Interesse für ihr Gedeihen entwickeln."
In diesem Umfeld sammelte Down seine Erfahrungen, die ihn 1866 seine "Beobachtungen zu einer ethnischen Klassifizierung von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung" schreiben ließen. Er wollte darin dem praktischen Arzt ein System zur Unterscheidung der verschiedenen Formen anbieten und so eine bessere Diagnose und Therapie ermöglichen.
Die von Down in dieser Abhandlung verwendeten Begriffe wurden von dem Göttinger Arzt Johann Friedrich Blumenbach (1752 bis 1840) in seiner Dissertation 1775 entwickelt. Diese Arbeit erschien ein Jahr vorher (1865) in englischer Übersetzung.
Nach zehn Jahren (1868) legte Down sein Amt in Earlswood nieder, um in dem Londoner Vorort Teddington ein eigenes Heim, das "Normansfield Training Institute", mit ebenfalls hohem ethischen Anspruch zu gründen. Dabei war ihm seine Ehefrau und später seine Söhne eine große Hilfe. Die letzteren, beide Ärzte, führten nach seinem Tode die Arbeit des Vaters in Normansfield weiter und später war ein Enkel, Dr. Norman Langdon-Down (1905-1991), bis 1970 der Leiter der Einrichtung.
Seine Motivation, das "Normansfield Training Institute" zu gründen, drückt Down 1879 so aus: "... um den Bedürfnissen der anderen Klasse zu begegnen, beschloß ich vor elf Jahren, mein Werk an diesem Ort zu beginnen." Dahinter steht die Erfahrung, die er in Earlswood gemacht hatte, daß gemeinnützige Einrichtungen zwar sehr wertvolle Arbeit für die Armen leisteten, aber keine Plätze für Kinder wohlhabender Familien anboten.
"Auf der Grundlage früh erlebter philanthropischer Vorstellungen schuf er mit Hilfe seiner Familie und den Mitteln der englischen "upper class" eine Institution, in der ein humaner Umgang mit "schwachsinnigen" Kindern gepflegt wurde, die zu Hause sozial isoliert und depriviert waren und pädagogisch verkümmerten. Hierdurch erwies sich Down als Vorläufer der heutigen Sozialpädiatrie und seine Arbeit sichert ihm einen Ehrenplatz unter den großen Ärzten und Naturforschern seiner Zeit.
Das vor allem von seiner Frau Mary geleite Institut umfaßte Handwerksbetriebe, einen institutseigenen Bauernhof und Garten zur Beschäftigung und Selbstversorgung der Bewohner, sowie Einrichtungen zum Tanzen, Rollschuhlaufen und ein Privattheater." (nach Sabine Stengel-Rutkowski).
Seit der Gründung von Normansfield (1868) hat sich auf dem Gebiet der Förderung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung viel getan. Gemeinsamer Unterricht ist heute keine utopische Vorstellung - für Down war dies undenkbar. Und Frauen als Ärztinnen - von Down abgelehnt, sind heute nicht mehr wegzudenken. Fotografie in der Medizin - heute unverzichtbar - Down war einer der ersten, der die damals neue technische Möglichkeit für seine Arbeit nutzte. Es ist faszinierend, die alten Bilder, die in der Biografie von Ward veröffentlicht sind, heue anzusehen.
Der Arbeitskreis Down-Syndrom e.V. veranstaltet aus Anlass des 175. Geburtstages von John Langdon Haydon Langdon-Down einen Vortragsabend am
Dienstag, 18. Nov. 2003, 20.00 Uhr
Frieda von Bodelschwingh-Saal, Nazarethweg 4, Bielefeld-Bethel
Dr. Norbert J. Pies, Erftstadt,
spricht zum Thema
Langdon-Down,
Erstbeschreiber der Menschen mit Down-Syndrom -
Aspekte seines Lebens
Pies, Norbert: Ein Pionier der Sozialpädiatrie
John Langdon Haydon Langdon-Down (1828 - 1896)
Eine illustrierte Lebensbeschreibung mit einer Übersetzung der Lettsomian-Vorlesung (London 1887)
über einige Gesiteskrankheiten der Kindheit und Jugend - Karlsruhe: G. Braun Fachverlage (1996)
ISBN: 3-7650-1739-6
Einige Restexemplare des Buches sind bei uns verfügbar (Preis: 7,00 Ä zzgl Versandkosten)