Gynäkologische Beratung, Vorsorge und Verhütung

Liebe, Freundschaft, Sexualität

von Ingrid Giesow

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung. Zunächst schien mir das oben genannte Thema ganz unproblematisch zu sein. Bei der Vorbereitung bemerkte ich, daß ich so viele junge Menschen mit Down-Syndrom in meiner Praxis nicht sehe. Ich betreue junge Behinderte aus dem Bethelbereich und aus Wohngruppen und mache selbst Hausbesuche in den Einrichtungen. Dennoch bestimmt dieses Thema meinen gynäkologischen Alltag sehr.

Als Frauenärztin habe ich eine Schlüsselposition bezüglich der vorgeburtlichen Diagnostik. Die Frage, ob sich eine Schwangere für oder gegen die Austragung eines Kindes mit möglicher Trisomie entscheidet, wird sicher in der gynäkologischen Praxis stark beeinflusst. Als Frauenärzte haben wir im ärztlichen Arbeitsfeld eine besondere Aufgabe, nämlich die, Begleiter für Menschen in den verschiedenen Übergangsphasen des Lebens zu sein. Fragen der Verhütung und der Sexualität, der Schwangerschaft und Geburt, Begleitung von Frauen in kritischen Phasen ihres Lebens und nicht zuletzt das Thema „Altern"; sind die täglichen Probleme unserer Patientinnen.

Wir sitzen an einer Schaltstelle in dieser Zeit der Machbarkeit. Einerseits beraten wir zur pränatalen Diagnostik und damit auch zur möglichen Abtreibung, andererseits sind wir Spezialisten für Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit, eine archetypische Herausforderung der Menschheit. In den letzten Jahrzehnten haben wir in steigender Zahl mit unfruchtbaren Paaren und Menschen zu tun, die unter „natürlichen"; Bedingungen nicht schwanger werden, es aber dennoch wünschen. Ich denke an die sechzigjährigen italienischen Leihmütter oder die homosexuellen Paare, die sich heterolog inseminieren lassen (künstliche Befruchtung eines Partners durch einen Fremdspender). Andererseits müssen wir nach der gegenwärtigen Gesetzeslage Abtreibungen bis kurz vor dem Entbindungstermin vornehmen.

Ein ganz normales Beispiel aus unserem PraxisalItag ist eine 36-jährige Patientin, die seit zwei Jahren mit hormoneller Unterstützung versucht, schwanger zu werden. Als sie endlich ein Kind erwartet, wünscht sie die pränatale Diagnostik in Form einer Fruchtwasseruntersuchung. Sie und ihr Mann sehen sich nicht in der Lage, ein behindertes Kind groß zu ziehen.

Sie, liebe Zuhörer, ahnen, mit welchen Wechselbädern wir als Berater zu kämpfen haben. Ich habe enormen Respekt und Achtung vor jenen Eltern, die sich entschließen, ein Kind ohne Vorbedingung anzunehmen. Die Mutter eines kleine Mädchens mit Down-Syndrom hat mir angeboten, ihre Adresse an besorgte Schwangere weiterzugeben, die sich über das Leben in der Familie mit einem solchen Kind informieren wollen. Diese Möglichkeit kann Ängste abbauen, klarere Vorstellungen über die tatsächlichen Anforderungen in einer Familie geben und möglicherweise den Entschluß, ein solches Kind auszutragen, bestärken.

Es gibt Untersuchungen über Eltern, die nach der Abtreibung eines Kindes mit Down-Syndrom zu Protokoll gaben, daß sie einen solchen Schritt nie wiederholen würden, denn sie hätten die Art und Weise der Behinderung nicht gekannt. Der Druck von außen, von Familie, Arbeitskollegen und Freunden, eine vorgeburtliche Diagnostik durchzuführen ist groß, so daß gesellschaftlich der Mut fehlt, sich der Herausforderung eines behinderten Kindes zu stellen. Dieses Thema bedarf einer sorgfältigen Annäherung und Sensibilität in der Praxis und hat Einfluß auf uns als beratende Ärzte, auf Sie als Eltern, auf die Betreuer sowie auf die Jugendlichen selbst.

Es gibt vier wesentliche Bedingungen, die die Sexualität von jungen Menschen mit Down-Syndrom beeinflussen:

  1. Historischer Situation,
  2. Ethik – Moralische Sitten,
  3. Psychologische Voraussetzungen,
  4. Medizin des ";Alles ist machbar";-Wahns.

Zum ersten Punkt: Ende des .Jahrtausends sind wir mit starken Weltuntergangsstimmungen und -prognosen konfrontiert, die die Menschen in ihrem ganz privaten Verhalten beeinflussen. Die ökonomische Krise schwappt auch in die Behindertenbetreuung und macht sich durch schwunghaften Personalabbau bemerkbar. Hierdurch wächst das Risiko der Verwahrlosung. Für Themen wie Sexualität und Zärtlichkeit im geschützten Rahmen bleibt wenig Raum. Wohngruppen werden aufgelöst, behinderte Menschen kommen in ambulante Betreuung. Chronisch Kranke und sehr viel mehr kränkere Menschen als bisher, werden jetzt wieder ambulant betreut – nicht immer zum Vorteil der Betroffenen.

Neben der gerade notwendigen Versorgung bleibt für Themen wie Nähe und Sexualität wenig Raum. Die Familie ist viel mehr gefragt. Ein wichtiger Faktor der Beeinflussung sind die Medien, vor allem das Fernsehen. Die Sexualität im Bild (Printmedien, Cyberspace, Internet) führt zu einer Form der Entkörperlichung: es riecht nicht, schmeckt nicht, ist scheinbar ungefährlich. Der bunte Markt der Möglichkeiten bleibt für Behinderte ebenso unerreichbar, wie für die meisten nicht behinderten Zuschauer.

Zur Frage von Moral und Ethik, die unser Sexualverhalten prägt, fehlt in unserer Kultur offensichtlich eine Orientierung, bzw. sie ist sehr schwierig geworden. In Zeiten zunehmender Ausgrenzung von „Anders-seienden"; wie Ausländern, Andersgläubigen oder Behinderten führt der Umgang mit sich selbst und dem Anderen logischerweise zur Abgrenzung .Eigentlich wollen wir Behinderte gar nicht mehr haben, in den USA beispielsweise kommen manche Versicherungen bei Neugeborenen mit angeborenen genetischen Veränderungen nicht mehr für die Behandlungskosten auf, wenn Eltern eine pränatale Diagnostik und den daraus folgenden Abbruch verweigert haben. Uns Deutschen wird in der Europäischen Ethikkommission vorgeworfen, wir hätten eine „Euthanasieneurose"; durch unsere Historie, wenn sich die deutschen Kommissionsmitglieder weigern, medizinischen Versuchen an Behinderten zuzustimmen oder wenn es um die Diskussion von Organtransplantationen geht.

Immerhin ist in Deutschland gegenwärtig die Abtreibung bis kurz vor einer normalen Geburt möglich. Der alltägliche Machbarkeitswahn reicht von der gentechnisch hergestellten Tomate bis zum Retortenbaby, von der pränatalen Diagnostik bis zur Prä-Implantationsdiagnostik, d.h., man kann Eier der Frau entnehmen, diese außerhalb des Körpers befruchten, die kranken Zellen aussondern und die gesunden wieder einpflanzen. Solche Möglichkeiten haben zwangsläufig Einfluß auf unser Verhalten bezüglich der Lebensgestaltung und -planung. Neulich kam eine zwanzigjährige Patientin zu mir und erzählte: „Ich lasse mir meinen Kiefer brechen und bekomme dann einen neuen. Ich habe einen solch starken Überbiß."; Manchmal geht die Machbarkeit über meine und sicher auch über ihr Vorstellungsvermögen. Allerdings sind Machbarkeiten zunehmend geldabhängig.

Ablösung von religiösen Bindungen und Auflösung von autoritären Strukturen implizieren eine zunehmende Verantwortung des Einzelnen. Keiner sagt, was richtig oder falsch ist. Antworten sind aus einem immer komplexeren Strickmuster, je weiter unser Wissen voranschreitet. Jeder einzelne muß für sich entscheiden, ob und wieweit er/sie sich auf ein Kind mit allen Konsequenzen einlässt. Die Sinnhaftigkeit, sich für ein „anderes";, nicht „normales"; Kind zu entscheiden, wird nicht gedacht. In der normalen Denkstruktur hat die Möglichkeit, sein Schicksal zu tragen, wie es kommt, wenig Raum, nicht etwa, weil die Menschen jung sind oder weil sie zu träge wären. Nein, dies ist keine moralische Kategorie des Handelns. Schwangere berichten in meiner Praxis von dem Druck, der durch ihre Umgebung auf sie ausgeübt wird, wenn sie sich gegen eine vorgeburtliche Diagnostik entschieden haben.

Freundschaft

Zu Moral und Sexualität: Junge Mädchen kommen oft sehr früh (mit 13, 14, 15 Jahren) zu mir und wollen die Pille verschrieben haben. Verständlicherweise wollen sie auch an der Verheißung des Glücksgefühls durch sexuelle Kontakte teilhaben, sind sie doch die Hauptadressaten aller sexualisierten Werbeaktivitäten und werden vorzeitig zum Erwachsenen hergerichtet. Nach 2 bis 3 Jahren kommen sie dann in die Sprechstunde um zu berichten, daß mit ihrem Orgasmus etwas nicht stimme und sie überhaupt keine Lust hätten. Fragt man dann genauer nach, so sind die Vorstellungen darüber, was geschehen sollte, stark von Film und Fernsehen geprägt. Die Enttäuschung über die Realität führt zu Versagensängsten. Zusätzlich bekommen wir es in der Erwachsenenwelt mit neuen Wunderpillen bezüglich Potenz und Lust zu tun (Viagra, DHEAS, Tibolon), womit wir der Technik das Handeln überantworten und nicht uns selbst.

Zur Psychologie des Alltags: Der gesamte Markt nutzt sexuelle Symbole, um die Kauflust anzuregen. Natürlich gehört auch der Schönheitswahn, das Sissi-Syndrom, dazu, wie es neuerdings in der psychosomatischen Literatur heißt. In-wieweit Sie als Eltern damit konfrontiert sind, weiß ich nicht. Bei meinen Patientinnen sehe ich eine Menge eßgestörter, tätowierter, gepiercter Mädchen. Die Identität läuft stark über Körperlichkeit mittels Fitness und rigider Diät. Immer mehr junge Mädchen wollen die Brust operativ verkleinert oder vergrößert haben. Auch hier hilft die Pharmaindustrie mit neuen Medikamenten. In der Fachsprache wird die Beschäftigung mit dem „normierten Körper"; neudeutsch „Bodymodelling"; genannt. Nur wenn wir einen perfekten Körper haben, werden wir anerkannt.

Für mich ist das auf psychologischer Ebene ein ebenso selbstverletzendes Verhalten wie Tätowieren oder Piercen. Hier findet sich die Entsinnlichung des Körpers gespiegelt, die ich vorher bei der Medikalisierung des Alltags beschrieb, eine künstliche Wirklichkeit, in der Schweiß, Pickel, Körpergeräusche und Ausdünstungen, Schmerzen und Verletztheit nicht fühlbar sind. Ebenso wenig sind Zartheit und Vertrautheit als körperliche Wahrnehmung, Ekstase als gesellschaftliches Ritual, Liebe und Freude in ihrer sinnlichen Dimension am Bildschirm nachvollziehbar.

Vielleicht kennen Sie das Buch „Die kindliche Gesellschaft"; von dem amerikanischen Autor Robert Bly, der beschreibt, daß wir es in dieser Gesellschaft mit einem Haufen erwachsener Kinder zu tun haben, die keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen wollen. Auch nichtbehinderte Kinder bleiben viele länger zuhause, denn sie haben es dort viel bequemer. Das hat zu Folge, daß Eltern sich schlechter trennen und Kinder viel später selbst verantwortlich für sich sind. Es führt zu weniger Verantwortlichkeit sich selbst und dem anderen gegenüber.

Zwangsläufig führt das zu schnellen Trennungen, wenn es unbequem wird. In Bielefeld wird jede dritte Ehe geschieden. Die meisten wollen nur noch die Marmelade, das Brot aber nicht dazu. Paarsein heißt ja eigentlich, in guten und in schlechten Zeiten zusammen sein. Heute müßte es wohl eher heißen: „Wenn's kompliziert wird, trennen wir uns."; Ich will nicht für ein Zusammenbleiben auf Biegen und Brechen plädieren, dennoch stände eine angemessene Streitkultur und die Fähigkeit standzuhalten, uns gut zu Gesicht. Das ist die Kehrseite der Machbarkeit. Alles ist möglich, ich kann mich ja trennen: Neues Spiel, neues Glück.

Professor Neubauer sagte am Freitag, daß junge Leute häufig den Partner wechseln, denn dann brauchten sie keine Verantwortung für den anderen zu übernehmen. Das hat natürlich Auswirkungen auf das gesamte Verantwortungsverhalten, zum Beispiel auf das Suchtproblem in unserer Gesellschaft. Wenn meine Bedürfnisse nicht mehr befriedigt werden, suche ich Ersatz in allen möglichen Formen: Drogen, Alkohol, Tabletten, Fernsehen usw. Damit kann ich der Realität entfliehen, die meine Bedürfnisse nicht mehr befriedigt. Im letzten SPIEGEL war ein Artikel über ein junges Mädchen,15 Jahre alt, die sich zu Tode gespritzt hat. Sie hatte einen Zettel hinterlassen, auf dem eine große Spritze abgebildet war. Dort hinein hatte sie ein junges Mädchen gemalt, inmitten einer roten Flamme. Darüber hatte sie folgenden Satz in eine Sprechblase formuliert: „Lieber jung und lachend sterben, als ewig halbtot.";

Wenn junge Menschen uns als halbtot empfinden, ist das Ausdruck unserer unsinnlichen Zeit und mangelnden Intensität.

Ein weiterer psychologischer Faktor, der Sexualität beeinflusst, ist die Enttabuisierung. Kein Zeitungskiosk ohne endlos aneinandergereiht weibliches Fleisch, kein Film ohne Bettszene, keine Sender ohne Sex-Talkshows, wo der Intimität die letzten Geheimnisse entrissen werden. Perversionen werden dem Neonlicht medialer Betrachtung zugeführt und das Bewußtsein hat Mühe, nicht selbst im blanken Scheinwerferlicht seziert zu werden. In der letzten Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE war auf der Titelseite zu lesen: „Die Lustlosigkeit der Deutschen. Psychologen raten zu mehr schmutzigem Sex."; Womit wir wieder bei der Kehrseite der Enttabuisierung wären: Wo alle Geheimnisse ans Licht gezerrt sind, schwindet das Interesse.

Was ist mit den Errungenschaften der Medizin und ihren Einflüssen auf die Sexualität? Seit ca. 250 Jahren ist die Medizin sehr stark naturwissenschaftlich orientiert. Geräte treten zunehmend zwischen Arzt und Patient. Auch hier ist der sinnliche Zugang in den Hintergrund getreten. Körper und Seele werden in verschiedene Bereiche aufgeteilt. So gibt es ein spezielles Fach „Psychosomatik";, das sich speziell mit diesem Thema beschäftigt. Zwar haben auch wir Ärzte aus den anderen Bereichen Zugang zu psychosomatischen Fragestellungen, aber wir sind stark gefordert, uns mit der zunehmenden Technisierung zu beschäftigen. Denken Sie nur an den Computer im Sprechzimmer und den Sog, mehr auf den Bildschirm zu schauen als auf den Patienten.

Wir müssen uns mit Gentechnik, Pränataler Diagnostik und Organersatz auseinandersetzen. Selbstverständlich schließt das sowohl die Brille als auch den Zahnersatz ein und erleichtert uns in vieler Hinsicht das Leben. Die „Alles ist machbar";-Mentalität, die sich dadurch entwickeln kann, bereitet nicht nur finanzielle, sondern auch ethische Nöte. Wir sollen entscheiden, wer was bekommt. Am fehlenden Geld scheitert die Teilnahme an den Wundern der Medizin oft nicht, sondern es fehlt die Information, wo, was, wie zu haben ist. Können Sie geschickt im Internet surfen, bekommen Sie Zugang zu medizinischen Informationen, die lange nicht jeder Mediziner hat. Neulich stand dazu ein Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT, daß derjenige die beste Medizin erhalte, der am besten informiert sei. Man könnte boshaft vom Ersatzteillager Mensch sprechen – jedoch hat das mit „Heil-sein"; und Heilung nicht viel zu tun. Wenn Körper und Seele gleichberechtigt Berücksichtigung finden wollen, benötigen die Sinne wie Wahrnehmen, Schauen, Spüren, Schmecken und Riechen mehr Achtsamkeit. Ebenso bedarf es ritueller Handlungen.

Zärtlichkeit - Flirten

In anderen Kulturen haben Schamanen die Aufgabe, Krankheiten durch Rituale zu heilen. Sie gehen davon aus, daß der Kranke ein Stück seiner Seele verloren hat. Um sie zurückzuholen, werden rituelle Tänze mit der ganzen Gemeinschaft oder auch allein durchgeführt. Die Seele hat dann Gelegenheit, in den Unglücklichen zurückzufinden und das ganze Dorf feiert die Genesung. Denken Sie an die uns verbliebenen Rituale, z.B. die Hochzeit: Es handelt sich um ein Ritual höchster sexueller, gesellschaftlich sanktionierter Brisanz. Ein Paar darf und muß nun in Zukunft zusammen „eheliche Pflichten"; erfüllen. Nach wie vor, trotz aller Plädoyers für wilde Ehen, erfreut sich das Ritual der Hochzeit großer Beliebtheit. Hier bietet die Chance, mit dem Segen der ganzen Gemeinschaft die Begegnung von Mann und Frau und deren Entschluß, ein Ganzes zu bilden, zu zelebrieren und durch die Öffentlichkeit Unterstützung und Festigung zu erfahren. Hier gäbe es Gelegenheit, ein solches Ritual als Heiliges und Heil-bringendes zu betrachten. In diesem Sinne geschah die heilige Hochzeit vor Jahrtausenden. Allerdings tritt dieser Aspekt wohl zunehmend in den Hintergrund, denn die Anzahl der Geschenke und die Frage, wieviel Geld ausgegeben und welche Garderobe getragen wird, scheint von größerer Wichtigkeit.

Die Frage, warum Menschen überhaupt sexuell interessiert sind und an wem, beschäftigt die Wissenschaftler bis in unsere Tage. Deren These lautet, daß die Evolution nur mittels sexuellen Interesses möglich sei. Würden sich immer wieder die gleichen Gene paaren, gäbe es keine Entwicklung, anlagebedingte Schwächen würden sich fortpflanzen und dies führe irgendwann zum Aussterben der Spezies Mensch.

Unsere naturwissenschaftliche Begierde, alle Geheimnisse des Lebens zu lüften, mag damit eine weitere Antwort erhalten. Sie sagt aber nichts über die Möglichkeit, die wir als Menschen durch die Liebe und ihren körperlichen Vollzug erhalten. Die Chance, durch das Erkennen des anderen und meiner selbst die Sehnsucht nach Eins-sein mit dem Ganzen wenigstens in Momenten des Lebens zu erfüllen, vermag die Poesie wohl am ehesten auszudrücken.