Hier ist unsere Hilfe Not-wendig!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Januar 2001 traf ich meinen Mit-Diakon Martin Braune, der ehrenamtlich als Projektbegleiter die Osteuropahilfen der von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel koordiniert. In einem kurzen Gespräch erfuhr ich Einzelheiten über den großen Hilfebedarf von Menschen mit Beeinträchtigungen in den osteuropäischen Ländern. Darunter sind auch viele Menschen mit Down-Syndrom.

Können, ja müssen wir hier nicht helfen? Die Mitglieder des Vorstandes haben dieses in der letzten Sitzung eindeutig bejaht. Wir werden eine Möglichkeit suchen, etwas zur Unterstützung dieser Arbeit durch viele Menschen zu tun. Darüber werden wir Sie zu gegebener Zeit informieren.

Unabhängig davon kann aber jeder Einzelne helfen. Bei der Volksbank Bielefeld, BLZ 480 600 36 ist das Konto Nr. 2 000 175 601 eingerichtet (Arbeitskreis Down-Syndrom e.V. - Stichwort ";Osteuropa-Hilfen";). Von dort leiten wir die eingegangenen Beträge an die von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel weiter.

Einzelheiten können Sie aus dem nachstehenden Bericht aus der Betheler Mitarbeiter-Zeitschrift ";Der Ring"; ersehen. Sie können sich aber auch besondere Fragen an uns richten. Wir danken für Ihr Verständnis und Ihre Hilfe

Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Hermann Stüssel

Diakon Martin Braune hilft, die Not in Osteuropa zu lindern

";Die Patienten waren nur noch Haut und Knochen!";

Mit sieben Lkw-Ladungen voller Hilfsgüter und Lebensmittel, insgesamt rund 110 Tonnen, unterstützten Diakon Martin Braune und seine Helferinnen und Helfer im vergangenen Jahr das psychiatrische Krankenhaus Nr. 15 in Charkow in der Ukraine. Damit sicherten sie das Leben der 1 500 Patienten, die zu verhungern drohten. Fünf der Transporte wurden unter der Leitung von Elisabeth Kunze von der Ukraine-Hilfe der Hoffnungstaler Anstalten Lobetal organisiert. Die Spenden kamen nach einer Fernsehsendung im Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg über Charkow zusammen, die Martin Braune angeregt hatte.

Als Diakon Martin Braune, ehren-amtlicher Projektbegleiter der Osteuropa-Hilfen der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, im Herbst 1999 erstmals in Charkow war, wollte er prüfen, welche Ausstattung dort für den Aufbau einer Epilepsie-Station benötigt wird. Was er und sein Begleiter Heinrich Keller von der Mennonitengemeinde in Lage antrafen, war jedoch eine humanitäre Katastrophe. Die Menschen waren am Verhungern. Die Mitarbeiter konnten morgens nicht sagen, ob die Küche, die seit 30 Jahren nicht mehr renoviert worden war und in der nur zwei Kochstellen funktionierten, mittags etwas zu essen liefern konnte. ";Viele Patienten waren nur noch Haut und Knochen";, berichtet Martin Braune. ";Bei den Verstorben war als Todesursache aber natürlich nicht ‚verhungert', sondern Herz-Kreislauf-Versagen angegeben.";

Mit rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Krankenhaus in Charkow zahlenmäßig gut ausgestattet, aber es gibt nur wenig ausgebildetes Personal, und zum Teil werden die Mitarbeiter auch nicht bezahlt. ";Für 100 Personen gab es eine Toilette, die Heizung war kaputt und das Trinkwasser schlecht";, erinnert sich Martin Braune betroffen. Für ausreichende Pflegemittel fehlt das Geld. Auch die Medikamenten-Schränke waren leer. Aus Spendenmitteln bezahlte Braune daher direkt in Charkow Tuberkulose-Medikamente, mit denen erkrankte Patienten für ein Jahr versorgt werden können.,, Das Epilepsie-Projekt haben wir erst einmal zurückgestellt. Die Katastrophenhilfe hat Vorrang";, so der Betheler Diakon. ";Das Schlimme ist, dass die Menschen an das Elend als Dauerzustand schon gewöhnt sind und gar nicht mehr darüber sprechen. Nur wenige lehnen sich noch dagegen auf.";

Traktor besorgt

Auf seiner Tour durch Osteuropa macht der Betheler Diakon an vielen Stationen Halt, wo dringend Hilfe benötigt wird. Immer wieder nutzt er seine vielfältigen Kontakte zu Privatpersonen und Organisationen, um die Not zu lindern. Dem Krankenhaus Vinniza II in der Ukraine konnte Martin Braune günstig einen russischen Traktor besorgen. Er garantiert jetzt die Selbstständigkeit der Einrichtung, zumindest was die Versorgungsfrage betrifft. Den Mitarbeitern gelang es inzwischen, eine eigene Landwirtschaft und einen eigenen Garten aufzubauen. ";Die hygienischen Bedingungen sind für dortige Verhältnisse gut";, hat Diakon Braune festgestellt. Nach und nach werden mit seiner Hilfe auch die unbrauchbar gewordenen Betten und Matratzen ausgetauscht. 100 neue Betten konnte er im vergangenen Jahr durch Spenden an die Einrichtung weitergeben. Nach wie vor fehlt aber Geld für Medikamente und Pflegemittel.

Für ein Altenheim im rumänischen Resita, der Partnerstadt von Bielefeld, besorgte der Betheler Osteuropa-Beauftragte eine Heizung. Das städtische Krankenhaus in Sliven in Bulgarien erhielt sieben Geräte für die Dialyse. ";Dort herrschen unvorstellbare Zustände, seit 30 Jahren wurde der Operationssaal nicht mehr renoviert";, musste Martin Braune bei seinem Besuch erfahren. Für 30 000 Zigeuner, die in Sliven in einem Getto ohne Licht, Wasser und Kanalisation leben, will Braune ein EU-Projekt auf den Weg bringen.

Mit Ketten fixiert

Ein neues Hilfeprojekt ergab sich auch im benachbarten Tvardiza. Die dortige 220 Betten umfassende Behinderteneinrichtung ist in einem ehemaligen Munitionsdepot untergebracht und wurde seit 40 Jahren nicht mehr saniert. Schockierend waren dort nicht nur die hygienischen und räumlichen Verhältnisse: Martin Braune traf auf Menschen, die außerhalb des Gebäudes mit Ketten fixiert waren oder in Verschlägen festgehalten wurden, damit sie nicht weglaufen konnten. Zurück in Deutschland, nahm der Diakon, der von der Gesellschaft Eintracht Bielefeld e. V. im vergangenen Jahr mit dem Preis für Bürgersinn ausgezeichnet wurde, Kontakt zu hilfsbereiten Partnern auf. Erste bauliche Soforthilfemaßnahmen konnten inzwischen eingeleitet werden. Insgesamt beziffert Martin Braune den Finanzbedarf für eine Grundsanierung der Einrichtung in Tvardiza auf rund zwei Millionen Mark. ";Da müssen die Kirchen jetzt helfen";, so der Diakon.

Vom Vorstand der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel wurde Martin Braune gebeten, auch in der Srbska Republik, die zu Bosnien gehört, aktiv zu werden. Die Anfrage an den Vorstand kam von dem österreichischen Verein ";Bauern helfen Bauern";. Braune besuchte die angesprochene Einrichtung Jakes in Modrica zusammen mit seiner Frau Johanna im Juli und Dezember vergangenen Jahres. ";In der Einrichtung mit 360 Betten werden schwerst und mehrfach behinderte Menschen verwahrt, so muss man es beim Namen nennen";, sagt Martin Braune. ";Die Einrichtung wird im Regierungsplan nicht erwähnt, sie ist einfach vergessen. Alle Hilfsorganisationen bis auf den österreichischen Verein haben sich aus dem Gebiet zurückgezogen, in dem Kfor-Truppen versuchen, für ein gewisses Maß an Sicherheit zu sorgen."; Auch in Jakes ist eine Grundsanierung notwendig, die mindestens 1,5 Millionen Mark kosten wird. Für Martin Braune geht es jetzt darum, diese Mittel zu organisieren. ";Auf unserem Spendenkonto ist immer Platz";, unterstreicht er mit einem humorvollen Augenzwinkern, aber doch sehr ernst gemeint. ";Für die umfangreicheren Sanierungsprojekte wenden wir uns auch an diejenigen, die größere Beträge geben können, zum Beispiel an Stiftungen. Aber für die vielen täglichen Sorgen sind wir auf jede noch so kleine Spende angewiesen.";

Petra Wilkening