P U P P E N
die aussehen wie Kinder mit Down-Syndrom

von Hermann Stüssel

Es ist schon einige Zeit her. Das Telefon schellt und es meldet sich Tina Tombrock-Otto, eine Dame aus Stockholm. Schweden, das Land, auf das wir bezüglich “Nicht-Aussonderung“ und “gemeinsam Leben“ mit Interesse blicken, machte für mich das Gespräch gleich spannend. Als ich aber dann von der Gestaltung der Puppen hörte, hat es mir doch zunächst die Sprache verschlagen.

Im weiteren Gespräch kam dann bei mir die Meinung auf: warum denn eigentlich nicht? Wenn wir davon sprechen, dass unsere Kinder

so sein sollen, wie sie sind
und da sein sollen, wo die anderen auch sind

dann gehören (sicherlich nicht nur, aber auch) solche Puppen dazu. Es gibt ja die unterschiedlichsten Puppen. Menschen werden in verschiedenen Situationen und Berufen nachgebildet und neben Matrose, Krankenschwester u.a. gibt es z.B. auch Puppen, die im Rollstuhl sitzen.

Puppen, die aussehen wie Kinder mit Down-Syndrom

Tina Tombrock-Otto hat mir nach dem o.g. Telefongespräch folgendes geschrieben:

“Mit dieser Puppe möchte ich das Anliegen verbinden, dass sich Menschen mit Down-Syndrom in ihr erkennen, sich mit ihr identifizieren. Gleichzeitig möchte ich durch die Puppe Kindern vermitteln, dass es Menschen gibt, die anders sind, aber das gleiche Recht auf Lebensfreude, Liebe, Akzeptanz, Zuwendung und Verstehen haben.

Ich selbst arbeite in Stockholm im Bereich “selbständiges Wohnen“, wo acht Personen mit Down-Syndrom leben.

Für diese Arbeit habe ich eine fachliche Ausbildung erhalten. Da ich von Haus aus Spielzeugdesignerin bin, kam mir während dieser Ausbildung die Idee, eine Puppe mit Down-Syndrom zu gestalten.

Von Eltern und Kollegen habe ich so viel Ansporn und Ermunterung bekommen, dass ich mich entschloss, die Puppe als Spielpuppe herstellen zu lassen.

In der schwedischen Presse habe ich durch Artikel eine Gratisreklame bekommen, so dass ich seit August 1993 bereits 100 Puppen an Eltern, Kindergärten und an Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens verkauft habe.“

Beim Abschreiben dieses Textes ist mir aufgefallen, dass an keiner Stelle von “Behinderten“ gesprochen wird. Ganz anders in der deutschen Presse, aus der nachstehend einige Beispiele zu lesen sind. Diese Sichtweisen und Sprachgewohnheiten, die eine Grundeinstellung deutlich machen, müssen wir verändern und, wie es Jutta Schöler im letzten Jahr gesagt hat: neue Bilder in die Köpfe bringen.

“Kleider machen Leute“ zeigt sich auch bei diesen Puppen. Das letzte Bild zeigt die unterschiedlich gekleideten Puppen, die ganz verschieden wirken, obwohl es nur zwei Grundtypen der Puppe gibt. - Ein Hinweis darauf, wie wichtig es ist, Kinder mit Down-Syndrom “schick“ zu machen.

Puppen, die aussehen wie Kinder mit Down-Syndrom

Machen Sie sich aber selbst ein Bild.
Ich freue mich auf Ihre Reaktionen und Briefe.

Die Puppen sind zu beziehen:
Spielzeugstübchen
Christa Sonst
Weisendorfer Str. 2a, D 91056 Erlangen Dechsendorf
Telefon: 09135 8800 - Fax: 09135 544
http://www.spielzeugstuebchen.de/


Den Umgang mit Behinderten spielerisch erlernen sollen nichtbehinderte Kinder mit der „Mongoloiden Puppe“. Sie ist eine der Neuheiten der Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Donnerstag eröffnet wurde. Diese gilt als weltweit größte Messe ihrer Art.

Spielzeug für Behinderte

Sonneberg (dpa). Eine Puppe mit den Gesichtszügen eines Mongoloiden Kindes soll jetzt behinderten Kindern als wirklichkeitsnahes Spielzeug dienen. Die Sonneberger Sonni Spielwaren GmbH werde auf der Spielwarenmesse in Nürnberg die Puppe vorstellen, kündigte Sonni-Geschäftsführer Peter Biber gestern an. Zum weltweit ersten Mal nehme sich ein Puppenhersteller auf diese Weise der Behindertenproblematik an. Die Puppe gehe auf die Anregung einer schwedischen Behindertenexpertin zurück, die mongoloide Kinder betreut. Bei nicht behinderten Kindern könnten die Puppen dazu beitragen, den Umgang mit Behinderten spielerisch zu erlernen.

Dazu schreibt eine Mutter in einem Leserbrief</p>

Integration ist viel wichtiger:

Als ich die Überschrift las, freute ich mich, dass in dieser Richtung etwas getan wird, denn auch heute muss man sich vieles selber basteln oder vorhandene Spiele vereinfachen. Ich wurde aber beim Lesen der Nachricht sehr enttäuscht. Was unsere Kinder brauchen, sind nicht Puppen, die ihnen äußerlich ähneln, sondern ist Spielmaterial, an dem sie ihre Fähigkeiten ausprobieren und weiterentwickeln können.

In den vielen Jahren, die ich mit Behinderten arbeite, konnte ich feststellen, dass sie wie jedes Kind gern mit Puppen spielen, die handlich und beweglich sind, damit man sie gut an- und auskleiden kann. Ich frage mich auch, was sollen Kinder, die noch nie Umgang mit Down-Kindern hatten, mit einer solchen Puppe anfangen? Ich könnte mir denken, dass es für sie eine Puppe wie jede andere ist.

Was viel zu wenig bekannt ist und genutzt wir ist, dass die Kinder durch Integration - wie bei und im Evangelischen Kindergarten - lernen, miteinander umzugehen.

Gudrun Mack, Sonneberg

Weltneuheit bei sonni

Sonneberg (ko). Eine Weltneuheit will die sonni Spielwaren GmbH (Sonneberg) bei der 45. internationalen Spielwarenmesse Nürnberg von Donnerstag, 3. bis Mittwoch 9. Februar vorstellen: Eine Puppe, die ein am Down-Syndrom (früher: Mongolismus) erkranktes Kind darstellen soll. Der Anstoß zu der ungewöhnlichen Idee sei von einer schwedischen Sozialarbeiterin gekommen, die sich mit behinderten Kindern beschäftigt, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Peter Bieber in Sonneberg.

Behindertenpuppe kommt aus Sonneberg

SONNEBERG. Mit der ersten Behindertenpuppe der Welt sorgt die gerade privatisierte sonni Spielwaren GmbH (Sonneberg) für Aufsehen aus der 45. Spielwarenmesse Nürnberg. Die auf Anregung der schwedischen Sozialpädagogin Tina Tombrock-Otto entwickelte Puppe mit Down-Syndrom soll dabei helfen, dass behinderte Kinder sich mit ihr identifizieren und ein Bild von sich selbst schaffen können. Die Puppe ist auch als didaktisches Spielzeug für nicht behinderte Kinder in Kindergärten und Vorschulen gedacht.


Entnommen aus: MITTEILUNGEN 21 (02/1995) – ARBEITSKREIS DOWN-SYNDRM e.V.