»Das fremde Kind«: Dennis ist Florian
Elfjähriger Steinhagener spielt Hauptrolle in RTL-Film -
Dreharbeiten in Indien und Wiesbaden
Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Steinhagen (anb). Der Film hat alles, was der Zuschauer sich nur wünschen kann: Liebe, (Melo-)Dramatik und auch ein bißchen »Action«. Wenn der Film »Das fremde Kind« am (voraussichtlich) 24. März um 20.15 Uhr auf RTL läuft, dann werden die Steinhagener Zuschauer - Liebe hin, Spannung her - aber vor allem einen nicht aus den Augen lassen: den kleinen Hauptdarsteller. Denn der elfjährige Steinhagener Dennis Bartelniewöhner spielt Florian, das »fremde Kind«. Fünf Wochen lang drehte Dennis mit dem Team um den amerikanischen Regisseur Dominique Othenin-Girard in Wiesbaden und Bombay - und fand es toll. Und auch seine Eltern Horst und Cornelia Bartelniewöhner schwärmen noch immer von dem Erlebnis der Dreharbeiten und der tollen Atmosphäre am Set.
Zur Handlung: »Das fremde Kind« ist das uneheliche Kind zweier Europäer. Aufgewachsen in Indien 'kommt es nachdem Tod der Mutter zum (fremden) Vater Peter Bachmann (gespielt von Timothy Peach), seiner Frau Maria (Bojana Golenac) und deren Tochter (Sina Tkotsch) nach Deutschland. Natürlich ist die Beziehung zunächst problembeladen - man denke an den Seitensprung des Vaters - und die Akzeptanz und Integration des kleinen Florian fällt vor allem der neuen Mutter gar nicht leicht. Bis die Eltern erkennen, daß Florian behindert ist . . .
Über eine Kindercasting-Agentur, die per Internet deutschlandweit Selbsthilfegruppen abklapperte und dabei auch auf den Bielefelder Arbeitskreis »Down Syndrom« stieß, kam der kleine Steinhagener zum Film. 30 Kinder wurden »gecastet«, sechs kamen in die nähere Auswahl - und Dennis begeisterte alle. Ein langer Behördenweg begann für die Eltern, auf dem Schulleiter und Jugendamt nur zwei Stationen waren. Denn Dennis brauchte schließlich eine Arbeitsgenehmigung. Und dann kam Olaf - der »Dialog-Coach« Olaf Kell - um den kleinen Jung-Schauspieler rechtzeitig vor Drehbeginn und in häuslicher Atmosphäre in aller Ruhe auf Rolle und Text vorzubereiten. Mit Olaf verstand sich der Elfjährige prima und schwärmt nach wie vor von ihm - und von Maskenbildnerin Annette, die stets eine Menge Arbeit darauf verwenden mußte, das nach einem trüben Sommer arg blasse Kind auf indische Sonnenbräune zu trimmen.
Im Oktober begannen die Dreharbeiten zunächst in Wiesbaden. Die Außenaufnahmen standen an, danach ging es ins Studio. Eine stressige Zeit vor allem für die Eltern, denn Cornelia und Horst Bartelniewöhner hatten sämtliche Urlaubs- und Freizeittage zusammengeworfen, um abwechselnd bei ihrem Sohn sein zu können, pendelten zwischen der Steinhagener und der Wiesbadener Wohnung beständig hin und her. Vier Tage Indien, wo die Startsequenz gedreht wurde, gönnten sie sich dann beide. Als stille Beobachter am Set kam ihnen dabei eine wichtige Rolle zu, wie Cornelia Bartelniewöhner lachend erzählt: »Nicht im Bild herumzustehen«. Auch die Geschwister sahen sich zwischenzeitlich die Dreharbeiten an, und Bruder Frank bekam sogar eine kleine Nebenrolle.
Streß bedeutete die Zeit am Set natürlich auch für Dennis: »Eigentlich kann er Rummel um seine Person gar nicht ausstehen. Was er aber genossen hat, war das Gefühl des Angenommenseins«, schildert seine Mutter. Das Drehen selbst war nicht weiter unangenehm, denn ununterbrochen war der Jun-ge nicht gefragt, sondern konnte in einem den Filmkindern zur Verfügung stehenden Wohnwagen bis zum nächsten Einsatz mit seiner Mutter malen oder Casetten hören - und Fante trinken.
Außerdem interessierte ihn die Technik brennend. Daß ihm die große Kamera, die nur auf Schienen bewegt werden kann, eingehend vorgeführt und erklärt wurde, versteht sich von selbst. Und spannend war's: So erzählt Dennis anschaulich von der ersten und bisher einzigen Stunt-Szene seines Lebens, wie er vor ein Auto lief (das nahm ihm allerdings ein Double ab) und blutüberströmt auf der Straße liegen blieb (das war er wieder selbst, mit »Marmelade« im Gesicht).
»Dennis spielt sich selbst«, findet seine Mutter. Er könne zwar gut schauspielern, aber sich nicht verstellen. Wenn die Kamera lief, erzählt sie, sei Dennis ganz in Florian aufgegangen. Das traurige Gesicht des Jungen bei der großen Abschiedsszene von Filmmutter Maria vorm Heim, kann Dennis jederzeit aufsetzen. Auch die Dialoge spult er noch auswendig herunter, einschließlich der Brocken Hindi-Englisch, die ihm in Wiesbaden von einer indischen Fachberaterin beigebracht wurden. Im Schrank zu Hause in Steinhagen hängt noch das Florian-Kostüm, ein lockeres indisches Gewand mit Satinweste, das Dennis gerne herausholt. Und mindestens einmal pro Tag sieht er sich seinen Film in der Vorab-Version an. Einmal noch wird er Florian sein, denn es steht noch ein Termin im Tonstudio für kleinere Nachsynchronisationen an.
Wieder in einem Film mitspielen? »Klar«, meint Dennis. Aber dann würde er gerne zusammen mit Captain Picard auf der Brücke des Raumschiffs »Enterprise« stehen, denn die Serie ist eigentlich sein Lieblingsfilm - vom »Fremden Kind« einmal abgesehen.
Entnommen aus: Westfalenblatt, Halle (Westfalen)
Siehe auch:
Robert-Geisendörferpreis für RTL
Laudatio von Bischof Christian Zippert, Kassel
TV-Film als Video
Weitere Informationen zu Menschen mit Down-Syndrom befinden sich auf diesen Internet-Seiten