Praktikum für Laura und Max ein großer Schritt
Wie die anderen Achtklässler der Alfred-Delp-Schule absolvieren die behinderten Kinder der integrativen Klasse ihr Praktikum
Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Wassmuth
Lampertheim. Immer wieder einmal hat der ";Südhessen Morgen"; den Lebensweg der Lampertheimer Down-Syndrom-Kinder Laura Linke und Maximilian Keller beobachtet. Zurzeit machen die beiden Achtklässler wie ihre Mitschüler der Alfred-Delp-Schule ihr erstes Betriebspraktikum. Anlass, sie mal wieder in den Blickpunkt zu rücken.
Eins steht fest: Ihr zweites Praktikum im Januar 2001 möchte die 14-jährige Laura Linke gerne auf einem Bauernhof machen. Kühe melken, Tiere füttern - die landwirtschaftliche Arbeit interessiert das behinderte Mädchen. Erste Erfahrungen in der Berufswelt hat Laura jetzt im Kindergarten an der Saarstraße gesammelt. Noch gut erinnert sich das Mädchen an seine eigene Zeit hier, als sie mit ihrem Freund Maximilian Keller, kurz Max, zu der ersten Gruppe gehörte, in der ab 1989 behinderte mit nicht-behinderten Gleichaltrigen zusammen den Kindergarten besuchten.
Mit den Kindern spielen, auf sie aufpassen, ihnen Lieder lernen, malen und vorlesen - all das zählt Laura auf, als sie berichtet, was zu ihren Aufgaben gehört. Auch in der Küche müsse sie helfen, die Spülmaschine ein- und ausräumen. Von morgens acht bis mittags um halb eins ist Laura als Praktikantin in der grünen Gruppe dabei, die von der Erzieherin Sabine Menges und Leiterin Elke Medert betreut wird.
In erster Linie soll Laura ausprobieren, was sie kann, und lernen, dass sie übertragene Aufgaben erledigen muss. ";Sie ist stolz, wenn sie etwas bewältigt hat";, berichtet Erzieherin Menges. Das Praktikum und die damit verbundene Anerkennung der Kindergartenkinder sei eine wichtige Erfahrung für die 14-Jährige und ein großer Schritt hin in die Erwachsenenwelt. Alle Beteiligten äußern Zufriedenheit, wenn sie auf die vergangenen drei Wochen zurückblicken. Laura hat das Praktikum gut gefallen, auch wenn die Stunden recht anstrengend waren und sie sich wieder auf die Schule freut.
Auch ihr Freund Max ist froh, wenn er wieder in die Schule gehen kann. Er absolviert sein Praktikum bei Floristik Schuster an der Römerstraße. Die erste Woche war er mit Hans-Jürgen Schuster auf dem Friedhof unterwegs und hat die Arbeit der Grabpflege kennen gelernt. Anschließend hat er Frau Schuster in der Filiale am Waldfriedhof geholfen und seit vergangener Woche geht er ";seinem Chef"; im Hauptgeschäft zur Hand. Eine seiner Lieblingstätigkeiten: Gerbera drahten. Das sei besser als Rosen anschneiden, denn da stechen die Dornen.
Schon seit vielen Jahren hat der Florist Praktikanten in seinem Betrieb. Positiv wertet er die Erfahrung mit dem behinderten Jungen, auch wenn es ";schon anstrengend"; ist, wie er sagt. Da ständig jemand bei Max dabei sein muss, ginge das nur in Zeiten, ";in denen wir Luft haben";, sagt Schuster. Aber da er Max, der wie er in Hüttenfeld wohnt, schon lange kennt, gab es um die Stelle keine Diskussion.
Zwei weitere behinderte Klassenkameradinnen von Max und Laura machen ihr Praktikum derzeit in einem Friseursalon in Bobstadt und im Tiergarten in Worms. ";Die integrierten Kinder sollten nach der Schulzeit außerhalb der Behindertenwerkstätten Arbeitsmöglichkeiten finden";, formuliert Sonderschullehrerin Gisela Tremper das langfristige Ziel der integrierten Schulausbildung, zu der auch das Praktikum gehört. Auch wenn Laura und Max nie ohne Betreuung werden leben können, so ergeben sich so eventuell doch Alternativen für ihr späteres Leben. Vielleicht auf einem Bauernhof, wie Laura derzeit hofft.
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