Preis für Film ";Florian - Liebe aus ganzem Herzen";
Aus der Laudatio von Bischof Christian Zippert, Kassel, bei der
Verleihung des Robert-Geisendörfer-Preises am 28. Juni 2000 in Berlin:
Ein weiterer Fernsehpreis 2000 geht an
die Autorin Rodica Döhnert und an den Regisseur Dominique Othenin-Girard der Sendung
";Florian - Liebe aus ganzem Herzen";
Das Programm wurde von der Redaktion Fiction/TV-Movie von RTL eingereicht. Verantwortlicher Redakteur: Jan Kromschröder - der leider in letzter Minute sein Kommen absagen musste. Begrüßen möchte ich auch Frau Gerlach und Herrn Professor Graß von TaunusFilm, die Produzenten dieses Films.
Die Erstsendung war am 24. März 1999 bei RTL.
Den Preis nehmen die Autorin, Rodica Döhnert, und der Regisseur, Dominique Othenin-Girard, der non-stop von Kalifornien nach Berlin einflog, entgegen.
Begründung:
Als die Jury des Robert-Geisendörfer-Preises die RTL-Produktion 'Florian - Liebe aus ganzem Herzen' auszeichnete, wusste sie, dass dieser Film einfühlsam in der Regie, spannend im Plot, klug in den Dialogen und harmonisch im Zusammenspiel der Schauspieler ist. Aber, sie wusste nicht, dass er auch am Ausstrahlungsabend eine Bombenquote von sieben Millionen Zuschauern hatte. Dies belegt ein weiteres Mal, dass Qualität und Quote keine Gegensätze bedeuten müssen. Vielmehr können auch gewichtige Themen, die eher Schwermut als Fun versprechen, mit leichter Hand präsentiert werden, ohne TV-Movie-Kitsch: Ein Film, der mit erstaunlicher Wahrhaftigkeit die Klippen der Sentimentalität umschifft.
Dies ist zum einen das Verdienst der Drehbuchautorin Rodica Döhnert, die in ihren Dialogen konsequent bis an die Schmerzgrenze geht, so dass der Zuschauer das ";böse"; Ende immer für wahrscheinlicher halten muss als das ";gute";.
Die Story: Da ist eine junge Familie wie sie im Bilderbuch steht. Vater, Mutter, kleine Tochter, Geld vorhanden, Karriere in aufsteigender Kurve. Er hat eine Arztpraxis, sie bekommt gerade einen lukrativen Auftrag, einen Altar zu restaurieren, und setzt sich aus diesem Anlass intensiv mit dem Frauenbild der Maria auseinander. Beide haben eine aufgeweckte neunjährige Tochter.
Und dann aus heiterem Himmel schwankt der Boden: Der alerte Vater erfährt, dass er in Indien einen siebenjährigen kleinen Sohn hat, mit dessen Mutter, einer Arztin, er eine Affäre hatte. Nun ist die Mutter gestorben, und der Junge soll nach Deutschland zu seinem Vater kommen.
Die kleine Familie hat sich nun mit dem Seitensprung und dem Neuzuwachs auseinanderzusetzen. Und Maria, die dynamische Ehefrau meistert die brüchige Situation durch innere Größe und eine warmherzige Solidarität. Sie beschließen, den kleinen fremden Verwandten aus Indien in ihre Familie aufzunehmen. Als sie sich schließlich am Flughafen zum erstenmal gegenüberstehen, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Sie begreifen, dass der Junge behindert ist, mongoloid. Enttäuschung, dass die Familie nun nicht durch einen niedlichen intelligenten Jungen erweitert wird. Ratlosigkeit, wie so ein Kind in die geschleckte Welt der aufstrebenden Familie passen kann. Wut, wie einem eine frühere Geliebte so etwas zumuten kann und dramatische Auseinandersetzungen zwischen allen Familienmitgliedern.
Florian, so heißt der Junge, entwickelt sich zunehmend zur Hauptperson, der seine Adoptivfamilie verändert, die Menschen mit sich selbst konfrontiert, mit ihrem Egoismus, ihrer Karrieresucht; der sie zwingt, Prioritäten zu setzen und der einfach durch die unverstellte Präsenz eines Menschen mit Down-Syndrom seine Umgebung verwandelt.
Der Regisseur Dominique Othenin-Girard hat den kleinen Dennis Bartelniewöhner meisterhaft geführt. Er hat ihn zur Hauptperson und zum Sympathieträger werden lassen. ";Florian"; lässt die Zuschauer nachvollziehen, dass wir ganze Dimensionen des Lebens dazu gewinnen, wenn unsere Klischees vom Leben erst einmal zerbrochen sind.
Aber, ehe wir uns gleich einen Ausschnitt des Programms ";Florian"; ansehen, möchte ich ganz herzlich Dennis Bartelniewöhner, also unseren Florian, begrüßen, der auf Einladung von RTL mit seiner Familie aus Steinhagen heute zu uns gekommen ist. Ein herzliches Willkommen! Und Dank an RTL. Aus Berlin ist Sina Tkotsch, Darstellerin der kleinen Schwester von ";Florian"; mit Ihrer Familie bei uns. Auch Sie begrüße ich herzlich.
(Programmausschnitt von ca. 5 Min. - Originallänge des Programms ca. 93 Min.)
Siehe auch: Dennis ist Florian: TV Film RTL
Robert-Geisendörfer-Preis an RTL
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