"Der Glücksfall" Arche Noah
Die enge Zusammenarbeit mit einem Germersheimer Kindergarten
Wird mein behindertes Kind am besten in einer herkömmlichen Kindergartengruppe beziehungsweise in einer integrativen Gruppe zusammen mit nichtbehinderten Kindern betreut? Oder ist es in einem Sonderkindergarten speziell für Behinderte nicht doch besser aufgehoben? Wenn Eltern vor dieser Entscheidung stehen, sei es nicht immer leicht, ihnen zu raten, sagt Thomas Moser, Gesamtleiter im St. Paulusstift des Caritasverbandes für die Diözese Speyer. Ein prinzipielles Entweder-Oder sei weder machbar noch sinnvoll.
Im Kreis Germersheim haben die Eltern die (Qual der) Wahl: Der Lebenshilfe-Förderkindergarten in Rülzheim bietet 32 Plätze speziell für behinderte Kinder an; in Ottersheim und Germersheim werden behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen in integrativen Gruppen betreut, und auch die Integration einzelner gehandicapter Kinder in den Regelkindergarten am Ort ist möglich. Pro behindertem Kind kann dann eine Viertelstelle Zusatzpersonal bewilligt werden.
Das ist aber nicht im ganzen Bundesland so. In Rheinland-Pfalz gibt es nämlich derzeit kein gültiges Konzept für die Integration einzelner behinderter Kinder in Regelkindergärten ihres Wohnorts.
";Pilotcharakter"; habe vor diesem Hintergrund die Kooperation des Frühförderzentrums mit der integrativen Gruppe des protestantischen Kindergartens Arche Noah in Germersheim, meint Moser. Die Arche Noah sei ein ";Glücksfall";. Denn der Kindergarten liegt nur wenige Schritte vom Frühförderzentrum entfernt - und das bedeutet für Therapeuten und Erzieher kurze Wege.
Die behinderten Kinder können also während der Kindergartenzeit nach Bedarf logopädisch, ergo- und physiotherapeutisch gefördert werden, ohne für allzu lange Zeit von ihren nichtbehinderten Freunden getrennt zu sein. Ein Kind mit Down-Syndrom beispielsweise wird vom Ergotherapeuten des Frühförderzentrums in enger Kooperation mit den Erziehern und der Kindergartengruppe behandelt.
Das Land fördere zwar die als teilstationär geltenden integrativen Gruppen finanziell, habe aber bisher noch keine Schritte unternommen, eine verbindliche Regelung für die Einzelintegration behinderter Kinder zu schaffen, kritisiert Moser.
Er fürchtet entstehenden ";Wildwuchs";: Da das zusätzliche Personal für die Betreuung der behinderten Kinder nicht immer ausreiche, drohe die fachgerechte Förderung auf der Strecke zu bleiben. Zu Lasten der behinderten Kinder. (ast)
RON - RHEINPFALZ ONLINE, Samstag, 20. Jan. 2001