Kinderhäuser ";Kunterbunt"; und ";Tohuwabohu";
forcieren die Integration behinderter Kinder

Weiden. (lur) Die Kinder flitzen lachend durch die Gänge. In der Ecke des hellen Hauses schminken sich die Kreativen. Andere leben ihren Bewegungsdrang in einer monströs anmutenden Ritterburg aus. Die Kindertagesstätte ";Kunterbunt"; hat für wirklich jeden Geschmack etwas zu bieten. Doch das Beste kommt noch: Die Erzieherinnen setzen voll auf Integration: ";Normale"; und behinderte Kinder wachsen miteinander auf. Berührungsängste? Fehlanzeige.

Im September 1995 öffnete die Tagesstätte an den Krummen Äckern ihre Pforten. ";Wir nehmen Kinder unabhängig von ihrer Konfession, Sprache und Kultur auf. Unser größtes Anliegen ist es, dass sich jedes Kind bei uns angenommen, verstanden und wohl fühlt";, erklärt Leiterin Jana Petermann. Zwei Ganztagesgruppen und eine Halbtagesgruppe, die integrativ geführt wird, bilden das Gerüst der Einrichtung.

Ziel des Integrationsmodells: Vorbehalte abzubauen. ";Wir leben in einer demokratischen Gesellschaft. Ein Handicap darf nicht zur Ausgrenzung führen";, sagt die Erzieherin Susanne Apfelbacher. Dass die Eingliederungs-Methode im Kindergarten fruchtet, spürt man deutlich. Die ";normalen"; Kinder pflegen ganz selbstverständlich den Kontakt zu ihren geistig und körperlich behinderten Freunden. ";Hier nimmt jeder den anderen so an, wie er ist. Mit all seinen Stärken und Schwächen. Es gibt keine Berührungsängste";, erklärt Petermann.

Die sind auch im ähnlich strukturierten Kinderhaus ";Tohuwabohu"; nicht vorhanden. ";Bei uns finden regelmäßig Kinderkonferenzen statt. Dabei bestimmen die Kinder Delegierte. Kürzlich wurde ein Junge mit Down-Syndrom gewählt";, berichtet die Pädagogin Silvia Pfeffer.

Weiterer Vorteil der forcierten Integration: ";Auch die Eltern der nichtbehinderten Kinder verlieren ihre Scheu, wenn der Sprössling den behinderten Freund beispielsweise zur Geburtstagsfeier einlädt";, weiß Pfeffer. Petermann warnt allerdings vor übertriebenen Erwartungen: ";Wir sind keine Förderzentren."; Nicht die ganztägige Betreuung, sondern das Miteinander der Kinder und der Erfahrungswert für die Gruppe stünden im Vordergrund.

";Die Integration ist im Vormarsch";, erklärte Jugendamtsleiter Alois Schröpf, der auch die Schulen dazu aufforderte, sich dem Thema zu öffnen. Schließlich hätte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit seiner Aussage ";Es ist ganz normal, anders zu sein";, voll in Schwarze getroffen.