Bundesjustizministerin

für Beratung vor und nach pränataler Diagnostik

Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin hat sich am Sonntag im ZDF-Fernsehen für die Einführung einer Beratung vor und nach pränataler Diagnostik ausgesprochen. Die Justizministerin schlug darüber hinaus vor, unumgängliche Spätabtreibungen nur noch in spezialisierten Klinik-Zentren zuzulassen.

Die Forderung nach einer umfassenden Beratung von Schwangeren vor und nach einer Pränataldiagnostik und einer statistischen Erfassung der Gründe von Spätabtreibungen erhebt auch die Bundesärztekammer. Die Ministerin sprach sich allerdings dagegen aus, eine 22-Wochen-Frist für Spätabtreibungen einzuführen, wie sie ebenfalls von der Bundesärztekammer gefordert wird.

Die Diskussion um den Paragraphen 218 hatte sich im vergangenen Jahr am sogenannten Oldenburger Fall erneut entzündet. In einer Oldenburger Klinik sollte ein Kind nach der Diagnose »Down-Syndrom« in der 26. Schwangerschaftswoche abgetrieben werden. Doch das Kind überlebte seine Abtreibung. Die Ärzte wurden nun einerseits von der Mutter auf »Schadensersatz« verklagt, gleichzeitig ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen unterlassener Hilfeleistung, da eine Untersuchung des Säuglings erst neun Stunden nach der Geburt erfolgte.

Möglich wurden solche Spätabtreibungen 1995 durch die Novellierung des Paragraphen 218. Statt der sogenannten embryopathischen Indikation gab es fortan nur noch die medizinische. Die erlaubt Spätabtreibungen, wenn einer Schwangeren »schwerwiegende körperliche und seelische Schäden« drohen, die nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden können. Zuvor war eine Abtreibung unabhängig von der 12-Wochen-Frist allein aufgrund der Diagnose über eine zu erwartende Behinderung des ungeborenen Kindes möglich gewesen. Da die neue Regelung inzwischen mehrfach mißbraucht wurde und da nach medizinischer Indikation Abtreibung und Tötung von Ungeborenen theoretisch ohne jede Fristsetzung möglich sind, sehen Justizministerium und Ärztekammer dringenden Korrekturbedarf.

(ots/jW) - © junge Welt, Inland, 20.07.1999