Down-Syndrom und Tumorhäufigkeit
bwe. Seit längerem ist bekannt, dass Personen mit Down-Syndrom oder Trisomie 21 - also mit in dreifacher statt nur in doppelter Ausführung vorhandenem Chromosom Nummer 21 - ein grösseres Leukämie-Risiko haben als die übrige Bevölkerung. Die Häufigkeit anderer Krebserkrankungen bei Personen mit Down-Syndrom ist allerdings bisher nicht systematisch erforscht worden. Ein Team von dänischen Wissenschaftern hat diesbezüglich gut 2800 Personen mit Trisomie 21 analysiert.
Die Auswertung der Daten bestätigte, dass ein zusätzliches Chromosom 21 das Auftreten von kindlichen Leukämien begünstigt: Kinder mit Down-Syndrom haben ein 18mal höheres Risiko, an Blutkrebs zu erkranken, wobei die meisten Leukämien vor dem fünften Lebensjahr zum Ausbruch kommen. Dabei werden gehäuft seltene Formen beobachtet.
Im Gegensatz dazu sind alle anderen Arten von bösartigen Tumoren sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit der chromosomalen Aberration rarer, als dies auf Grund von Daten aus der Durchschnittsbevölkerung zu erwarten ist. Als eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung sehen die Autoren eine geringere Exposition zu potentiellen Risikofaktoren und Noxen, wie beispielsweise Nikotin. Zudem sind die meisten Frauen mit Trisomie 21 kinderlos und kommen früh in die Wechseljahre - beide Tatsachen beeinflussen den Hormonhaushalt. Allerdings reicht dies kaum aus, um zu erklären, weshalb Frauen mit Down-Syndrom kaum je an Brustkrebs erkranken. Viel wahrscheinlicher ist, dass auf dem Chromosom 21 verschiedene Tumor-Suppressor-Gene lokalisiert sind. Ausserdem codieren gewisse Gene möglicherweise für Enzyme, die entweder karzinogene Stoffe entgiften oder aber den Träger weniger anfällig für deren Wirkung machen.
Quelle: The Lancet 355, 165-169 (2000).
Eine Meldung aus ";Neue Zürcher Zeitung"; - FORSCHUNG UND
TECHNIK -
Mittwoch, 09.02.2000 - Nr.33