Chromosomen - die Träger des Erbguts

Berlin/London (dpa) - Das gesamte Erbgut eines Menschen ist auf 46 Chromosomen verteilt. Chromosomen sind unterschiedlich groß und enthalten jeweils einige hundert bis einige tausend Gene. Die Gene sind Abschnitte auf den dicht gepackten, langen Erbgutfäden (DNA), die Informationen über den Bauplan des Organismus speichern.

Die Erbgutfäden jedes Chromosoms bestehen aus nur vier verschiedenen Bausteinen mit den Molekülen Adenin (A), Thymin (T), Guanin (G), und Cytosin (C). Dieses ";Alphabet"; ist in einer bestimmten Buchstaben-Reihenfolge (Sequenz) angeordnet und bildet erst damit die Bauanleitung auch für den gesamten Menschen. Die Gene liegen wie einzelne Wörter einer fremden Sprache mitten in dem insgesamt drei Milliarden Buchstaben umfassenden Text.

Einige dieser Einzelwörter sind schon bekannt, wie die Gene für den Veitstanz (Nervenleiden mit Muskelzuckungen) oder Mukoviszidose (Gewebsschwäche mit Atemnot). Die anderen Gene müssen die Forscher mühsam suchen, denn die Kette von Buchstaben enthält nur in einigen Abschnitten sinnvolle Vokabeln. Doch selbst wenn man die Buchstabenfolge kennt, ist wie bei Vokabeln deren Bedeutung noch lange nicht geklärt. Und hat man die Anweisung der Gene gefunden, etwa den Bau für ein Muskeleiweiß, weiß man noch nicht, wie und wann es an- und ausgeschaltet wird. Die Gene spielen in vielfältiger Weise zusammen. So gibt es nicht ein Gen für die Augenfarben sondern viele, die helfen, den Farbstoff zu produzieren. Das Zusammenspiel ist noch weitgehend unbekannt und wird in vergleichenden Analysen mit Tieren erforscht.

Der Mensch besitzt einen Doppelsatz von 23 Chromosomen. 22 davon, die so genannten Autosomen, haben stets ein entsprechende Gegenstück; nur bei den Geschlechtschromosomen sieht es etwas anders aus. Der Mann hat die Geschlechtschromosomen XY, die Frau XX, wobei das Y- Chromosom für ";männlich"; und das X-Chromosom für ";weiblich"; steht. Tiere können wesentlich mehr Chromosomen besitzen. So hat der Karpfen 104 Chromosomen, ein Meerschweinchen 64 und eine Hauskatze 38, eine Stechmücke allerdings nur acht.