In allen Lebensbereichen Barrieren für Behinderte abbauen

Die Wiener Caritas startet Sensibilisierungskampagne zum
«Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen» unter dem Motto
"Behindert ist, wer behindert wird".

Landau: "Nicht das Handicap, nicht die sogenannte geistige und psychische Behinderung ist es, die es Menschen verunmöglicht, ihren Platz in unserer Gesellschaft zu finden, sondern die vielfach mangelnde Aufnahme- bereitschaft der Gesellschaft", betonte der Wiener Caritas-Direktor Michael Landau am Montag in einer Pressekonferenz zum Auftakt einer Aktionskampagne zum «Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen». Integration könne nur gelingen, wenn alle zusammen helfen.

Gleichstellungsgesetz ist «Gebot der Stunde»

Deshalb verlange die Caritas von einer künftigen Bundesregierung, den Artikel 7 der Bundesverfassung mit Leben zu erfüllen, der eine Benachteiligung von Menschen mit Behinderung ausdrücklich verbiete, betonte Landau: "Die möglichst rasche Verwirklichung eines Behinderten- Gleichstellungsgesetzes" sei das Gebot der Stunde.

«Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen»

Um eine "Barrierefreiheit in allen Lebens- bereichen" zu gewährleisten, müssten die Normen zur behindertengerechten Bauweise verpflichtend angewendet werden, forderte Landau. Es solle selbstverständlich werden, dass Menschen mit Behinderung ohne Probleme ins öffentliche Schwimmbad kommen oder behinderte Jugendliche wie ihre Freunde ins Kino gehen können.

Informationsoffensive für Unternehmer

Die Behindertenmilliarde zur Förderung der Integration behinderter Menschen in den Arbeitsmarkt dürfe "keine politische Eintagsfliege" bleiben, müsse eine Fortsetzung finden und ausgebaut werden, appellierte Landau an die künftige Regierung. Es gebe vielfach noch Barrieren in den Köpfen der Unternehmer, beklagte Landau. Häufig liege das an einem Informationsmangel. Der Caritasdirektor kündigte deshalb eine Informationsoffensive für die Unternehmen an.

Integration in Arbeitsmarkt: Hilfe zur Selbsthilfe

Ein positives Beispiel für die Integration in den Arbeitsmarkt stellte bei der Pressekonferenz der Vorstands- vorsitzende der bauMax-AG, Martin Essl, vor: 1986 entwickelte das Unternehmen ein "Humanprogramm", das versuche, ein Unternehmen "nach christlichen Grundsätzen zu führen", stellte er seine Firmenphilosophie vor. Prinzip sei dabei die "Hilfe zur Selbsthilfe".

Patenschaften im In- und Ausland

Durch Patenschaften im In- und Ausland arbeite das Unternehmen mit mehr als 100 Behindertenheimen zusammen. Die in den dort eingerichteten Werkstätten hergestellten Waren würden dann in den Märkten des Unternehmens verkauft. Deren Erlös fließe zu 100 Prozent an die Behinderteneinrichtungen zurück. Das ermögliche den behinderten Menschen, benötigte Dinge selbst zu finanzieren, etwa ein Auto. Arbeitsmaterialien und Gegenstände des täglichen Bedarfs würden den Behinderteneinrichtungen zu Sonderkonditionen verkauft.

Eingeschränkte Mobilität

Eine weitere Hürde bildeten die nicht ausreichenden Zug- und Busverbindungen, die es nicht motorisierten behinderten Menschen verunmögliche, zur Arbeit zu kommen, sagte Landau. Auch im Bildungsbereich dürfe nicht zu Lasten behinderter Schülerinnen und Schüler gespart werden. Es sei dringend notwendig, über den Bereich des neunten Schuljahres hinauszudenken, forderte Landau. "Denn es ist normal, verschieden zu sein."

ORF - Religion - News 24. 02. 2003