Ein Herz ist kein Fußball

Ensemble Rambazamba im Kunst- und Kulturprogramm der Bundesregierung

Großer Erfolg für "Ein Herz ist kein Fußball"

Berlin (dpa) Mit großem Erfolg beim Publikum hat das Ensemble Rambazamba am Freitag in Berlin das Theaterstück "Ein Herz ist kein Fußball" uraufgeführt. Bei Rambazamba handelt es sich um ein integratives Theaterprojekt, an dem 17 Menschen mit Down-Syndrom, frühkindlicher Hirnstörung oder Epilepsie mitwirken. Die Inszenierung gehört zu den rund 50 Projekten im Kunst- und Kulturprogramm der Bundesregierung zur Fußball-Weltmeisterschaft unter der Federführung von André Heller. Zur Premiere kamen neben dem Wiener Künstler auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und andere prominente Gäste.

"Ein Herz ist kein Fußball" setzt sich ironisch mit dem Leistungssport, dem Vermarktungswahn und der krankhaften Gier nach Erfolg auseinander. Nach mehreren Aufführungen in Berlin wird Rambazamba mit dem Stück auf Tournee gehen. Das ungewöhnliche Ensemble ist dann in Kaiserslautern, Worms, München, Bonn, Ratingen, Bochum, Celle, Stendal und Mainz zu erleben.

Märkische Oderzeitung - Sonntag, 09. April 2006

Tanz durchs Labyrinth

 
"Ein Herz ist kein Fußball": RambaZamba spielen im Kulturprogramm für die WM

Doris Meierhenrich

Der PR-Krake hat schon gesiegt, mochte denken, wer das erste Mal vom "Kunst- und Kulturprogramm zur FIFA-WM 2006" las. Das Bild vom Feigenblatt konnte dem vorschweben, der hörte, dass auch das Theater RambaZamba an einem Fußball-Stück arbeitet, um Teil zu werden dieser Kulturleistungsschau, die, egal wie kritisch sie sich zur WM verhält, deren "Mega-"Kategorien doch mitschleppen muss.

RambaZamba ist ein Theater von Schauspielern mit Down-Syndrom oder anderen geistigen Behinderungen und seit 17 Jahren berühmt für die artistische Unterwanderung schlichter Leistungsprinzipien. Seine Stärke liegt auf dem Feld komplexer Wahrheit und Menschenkenntnis. Wer je ein Stück der Truppe unter den Regisseuren Gisela Höhne oder Klaus Erforth gesehen hat, weiß, dass sie mit jeder Vorstellung einen ganz eigenen, selbstreflexiven Wert erspielt, der auf der Schnittstelle zwischen Kunst und Leben, Formgebung und jegliche Formung verweigernder Unmittelbarkeit die Zuschauer herausfordert. Plötzlich erfährt man durch die eigentümliche Ferne und zugleich schutzlose Direktheit dieser Spieler, wie der eigene, für gesund gehaltene Verstand die größte Erkenntnisblockade ist für eine Wahrheit, die im Menschen liegt.

Und dieses filigrane, widerspenstige Theater soll nun Zugochse sein für das Planquadrat WM? Wie können sich das Regelspiel Fußball und die Spielregelverdreherin Kunst überhaupt begegnen? RambaZamba hat sich vom Fußball umarmen lassen und umarmt ihn mit seiner eigenen Energie zurück. Zwar verheißt "Ein Herz ist kein Fußball" Distanz, doch zeigt sich diese Inszenierung so durchchoreographiert und sportiv wie selten. Oder glauben die siebzehn Theaterathleten sich diesmal keinen Patzer leisten zu dürfen? WM-tauglich, denkt man und bedauert etwas, dass das Unbändige früherer Tage geglättet scheint.

"Ein Herz ist kein Fußball" ist eine zunächst kämpferische, dann immer tänzerischer werdende Suche nach dem Zentrum von Spiel, Kunst und Leben. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an, vollziehen ihre Aufwärm- und Beschwörungsrituale, doch bevor das Match beginnt, schießt jemand den Ball zum Mond. Wie Maoris beim Kriegstanz stehen sich die Spieler gegenüber und erinnern zugleich an japanische Samurai. Archaik und Hochkultur durchleuchten sich in jedem Moment. Besonders der Schiedsrichter mit seinem Flaggengestell auf dem Rücken könnte geradewegs aus Kurosawas Film "Kagemusha" entsprungen sein. Auch darin geht es um eine Suche nach neuer Ordnung. - Auf einer großen Leinwand sieht man den Ball durchs All fliegen. Das Bild eines Tornetzes erscheint, das aussieht wie ein Labyrinth. Genau dahin befreit sich diese vieldeutige, in sich gegenläufige Inszenierung von Gisela Höhne am Ende: in ein klingendes Labyrinth. Die Kampftänze lösen sich in Flugbewegungen auf; statt Blutgrätsche übt jeder lautstark ein Musikinstrument. Harmonie soll daraus nicht werden, aber ein Zusammenspiel dutzender Einzelstimmen. Wer könnte bestreiten, dass das herzhaft klingt?

Bis 12. April tgl. 19 Uhr, Kesselhaus Kulturbrauerei, Kartentel. 437 34 744.

Berliner Zeitung - Montag, 10. April 2006

Großer Erfolg für WM-Theaterstück «Ein Herz ist kein Fußball»

Berlin (dpa) Mit großem Erfolg beim Publikum hat das Ensemble Rambazamba am Freitag in Berlin das Theaterstück «Ein Herz ist kein Fußball» uraufgeführt. Bei Rambazamba handelt es sich um ein integratives Theaterprojekt, an dem 17 Menschen mit Down-Syndrom, frühkindlicher Hirnstörung oder Epilepsie mitwirken.

Die Inszenierung gehört zu den rund 50 Projekten im zur Fußball-Weltmeisterschaft unter der Federführung von André Heller. Zur Premiere kamen neben dem Wiener Künstler auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und andere prominente Gäste.

«Ein Herz ist kein Fußball» setzt sich ironisch mit dem Leistungssport, dem Vermarktungswahn und der krankhaften Gier nach Erfolg auseinander. Nach mehreren Aufführungen in Berlin wird Rambazamba mit dem Stück auf Tournee gehen. Das ungewöhnliche Ensemble ist dann in Kaiserslautern, Worms, München, Bonn, Ratingen, Bochum, Celle, Stendal und Mainz zu erleben.

Schwäbische Zeitung - 10.04.2006