Die Feldenkrais-Methode

von Birgit Hamich

Die Feldenkrais-Methode ist ganzheitliche Körperarbeit nach Moshe Feldenkrais. Sie ist ein Prozess des "Sich kennenlernens".

M. Feldenkrais sagte einmal: "Der Körper spiegelt die Einstellung des Geistes wieder. So kann er benutzt werden, um einen unbewussten Weg der Kommunikation mit dem Gehirn zu bahnen. Verbessere die Funktion des Körpers und du verbesserst den geistigen und seelischen Zustand.»

Feldenkrais ging davon aus, daß der Mensch ein Ganzes ist und als Ganzes handelt. Die Wechselbeziehungen von Körper, Geist und Psyche sind untrennbar und dieses Zusammenspiel wirkt sich aus. Was wir im Körper festhalten, halten wir auch im Geist fest und umgekehrt. Wie ich meinen Körper behandle, ist eng verbunden mit der Art und Weise wie ich andere Aspekte des Lebens bewältige. Wie wir Emotionen ausdrücken, wird in Aussprächen wie, "den Kopf nicht hängen lassen, den Kopf nicht verlieren, zu Kreuze kriechen, seine Mitte finden" deutlich. Sie alle wissen von sich selbst, sind Sie fröhlich, gehen Sie aufrecht, die Atmung hat Raum, Sie sind ein Stück größer; bei trauriger, gar depressiver Stimmung, lassen Sie die Schultern und den Kopf hängen, gehen Sie gebeugt, Ihre Atmung ist eingeengt.

Der Arzt Weintraub belegt in langjährigen Studien, dass Störungen und Schmerzen bestimmter WS-Abschnitte auf psychische Überlastungen zurückzuführen sind. Die WS aber ist das Bindeglied zwischen Interaktionen und Funktionen durch die die weiter entfernten Körperteile verbunden im Gleichgewicht gehalten werden. Ebenso erzeugt Stress Spannungen und zwar immer dann, wenn wir den stressfördernden Situationen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sind.

Das zentrale Nervensystem reagiert darauf mit festen Bewegungsmustern und Haltungen, die Beschwerden machen können.

Die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten, die wir im Säuglings- und Kleinkindalter erlernt haben, gehen im Laufe des Lebens verloren. Wir haben uns eine Reihe von Gewohnheiten angeeignet, die uns einerseits gute Dienste erweisen, andererseits aber den Zugang zu Verfeinerung, Sensibilität und Vielfältigkeit versperren. Wir erkennen im Prozess unserer Entwicklung nur jene Fähigkeiten, die unsere soziale Rolle uns erlaubt und begrenzen uns damit selbst. Diese Grenzen sind aber nicht unsere eigenen, sondern entsprechen gesellschaftlichen Normen.

Anstelle dieser festgefahrenen Gewohnheiten, die uns immer mehr die Möglichkeit der Anpassung nehmen, sollten wir Flexibilität suchen um uns die Möglichkeit der Wahl zu eröffnen. Durch körperliches Lernen lösen sich neben motorischen Selbstbeschränkungen auch emotionale Zwänge und Hemmungen.

Der Grundgedanke der Feldenkraisarbeit beruht darauf, durch aufmerksames Einfühlen in den eigenen Körper Dysfunktionen wahrzunehmen, um dadurch die Voraussetzungen für Veränderungen zu schaffen. Wir nehmen unseren Körper allmählich mehr und mehr wahr, lernen uns gründlicher kennen. So gelingt es uns alte, einengende Muster bewusst wahrzunehmen, aufzulösen und durch neues, befreiendes Körperverhalten zu ersetzen. Diese Methode vermittelt uns den respektvollen Umgang mit uns selbst, wir erfahren, dass jeder Lernprozess individuell ist, niemand setzt uns unter Druck, den ich mir selbst mache, kann ich entdecken und loslassen.

Wir benutzen unvertraute Körperbewegungen, damit die gewohnheitsmäßigen mentale Zustände erweitert werden. Allein durch die Aufmerksamkeit auf den Körper ist eine Reduzierung der Muskelspannung feststellbar. Diese wiederum ist notwendig, damit Folgebewegungen müheloser ausgeführt werden können. Zum anderen erhöht die Spannungsverminderung die Sensibilität im Körper.

Sich auf Feldenkrais einzulassen, bedeutet, sich auf einen Weg machen, der Veränderungen mit sich bringt, wenn ich einfach offen und neugierig bin. Die nehme das Angebot wahr die Abhängigkeit von Gewohnheiten auf angenehme, sanfte Weise aufzugeben. Es gilt sein Bewusstsein zu schulen, klarere Empfindungen von sich selbst zu entwickeln, um damit mehr von den eigenen brachliegenden Potential in das Selbstbild zu integrieren.

Wir unterscheiden zum einen Bewusstsein durch Bewegung als Gruppenarbeit - auf langsame, einfache Bewegungssegmente folgt die meditative Entspannung, um so die Konzentration auf den Körper und den Atemrhythmus zu steigern; zum Anderen Funktionale Integration als Einzelarbeit - der Lehrer bewegt den Schüler und durch das Feedback erfährt der Schüler das Muster einer neuen Möglichkeit.

Ich möchte schließen mit einem Zitat von Moshe Feldenkrais:

"Solange du nicht weißt
was du tust,
kannst du nicht tun
was du willst".