von Gundula Meyer-Eppler
Es gibt unzählige verschiedene Therapien heute auf dem Markt. Manche erfordern komplett eigenständige Berufsbilder, manche nur Zusatzausbildungen. Manche werden von den Krankenkassen anerkannt und die Kosten werden vollständig übernommen, andere dagegen nur teilweise oder gar nicht.
Wenn man ganz am Anfang steht mit einem behinderten Kind, mit einem Kind mit Down-Syndrom, kann das Angebot erdrückend wirken. Die Angst, etwas wichtiges zu verpassen, seinem Kind keine optimale Förderung zukommen zu lassen, lastet schwer. Das ist zwar nachvollziehbar, aber es muss trotzdem nicht sein! Unsere Kinder brauchen zwar Förderung, brauchen oft eine oder mehrere Therapien, vor allem wenn gesundheitliche Probleme dazukommen, aber sie brauchen nicht a l l e Therapien, vor allem nicht alle auf ein Mal! Eine Therapie ist nur dann angesagt, wenn wirklich eine Störung vorliegt, die man tatsächlich nur mit fachmännischer Hilfe beheben oder verbessern kann. Und auch sehr wichtig: es gibt keine Therapie, die auf alle Kinder den gleichen positiven Effekt hat, eine Therapie wirkt sich bei jedem Kind anders aus.
Ehe ich im einzelnen auf die bekanntesten und vielleicht wichtigsten Therapien eingehe, möchte ich ganz groß betonen:
Leben so normal wie möglich!
Das heißt, dass wir uns immer wieder die Frage stellen müssen, ob eine Therapie nötig und sinnvoll ist - was wollen wir hier eigentlich therapieren? So schwer es uns auch manchmal fällt zu akzeptieren: manche Eigenschaften und manche Probleme sind nicht wegzutherapieren. Sie gehören zu unserem Kind, zu seinem So-sein, zu seinem Down-Syndrom, zu seiner ureigenen Persönlichkeit. Wenn wir diese Tatsache akzeptieren können, unser Kind mit allen seinen Eigenarten akzeptieren können, erst dann können wir überlegen: was braucht unser Kind, was tut unserem Kind gut, was hilft ihm seine Fähigkeiten voll zu entfalten, was beugt weiteren Problemen oder Folgeschäden vor. Dann kann man die passende Therapie aussuchen.
Das wird wiederum von den örtlichen Gegebenheiten eingeschränkt, teilweise auch von den zuständigen Krankenkassen - und von den verschreibenden Kinderärzten, die sehr zu kämpfen haben mit der Gesundheitsreform. Nicht zuletzt ist auch immer die eigene Familiensituation ausschlaggebend - wie viele Termine kann die Familie und das betroffene Kind verkraften, wie viele Termine sind überhaupt sinnvoll und förderlich. Ein Wochenplan, der keine Zeit übrig llässt für freies Spielen und normales Familienleben ist für keinen mehr Gewinn bringend.
Die Therapiebeschreibungen auf diesen Seiten sind keineswegs vollständig, es gibt wirklich unzählige Therapien und jeden Tag hört man von neuen. Die Aufzählung soll nur einen Überblick verschaffen über die am häufigsten verwendeten Therapien. Viele ähneln sich in ihrem Inhalt und vor allem in ihrem Anspruch, ganzheitlich zu arbeiten.
Von Anfang an können wir mit unseren Kindern ganz normale Dinge tun. Dinge, die ganz normale Familien mit ihren Kindern tun, Dinge die für Körper und Geist gut sind und die Spaß machen.
Es gibt viele "normale" Freizeitaktivitäten, an denen auch Kinder mit Down-Syndrom teilnehmen können. Mutter- und Kind-Turngruppen, Schwimmen, musikalische Früherziehung, Kinderchor, Tanzen, Theatergruppen, Mal- und Bastelgruppen und vieles, vieles mehr. Das Angebot ist groß, informieren Sie sich über die Möglichkeiten in Ihrem Ort.
Bei manchen Sportarten ist es sinnvoll, erst den Kinderarzt zu Rate zu ziehen, bei manchen Aktivitäten sollte man vorher die Gruppenleiter über die Besonderheiten Ihres Kindes informieren, aber im großen und ganzen tauchen "nur" die gleichen Probleme auf wie bei anderen Kindern auch.
Und viel wichtiger: diese Freizeitbeschäftigungen bringen ihrem Kind den gleichen Spaß, die gleiche Freude, mit Freunden und anderen Kindern zusammen zu sein, die gleiche Förderung und Entwicklungsanregungen, den sie gesunden Kindern auch bringen.
Vergessen Sie nicht, ihr Kind ist in erster Linie ein Kind - ihr Kind! Es gibt so vieles, was Spaß macht und gut tut, tun sie es als Familie. Alle profitieren davon.
Gundula Meyer-Eppler ist in Havixbeck bei Münster als Ergotherapeutin in eigener Praxis tätig.
Sie hat vier Kinder, die jüngste Tochter, Fiona (geb. 1997), hat das Down-Syndrom.
Über Ergänzungen und die Mitteilung eigener Erfahrungen freuen wir uns. Danke!
Menschen mit Down-Syndrom - Menschen mit Zukunft!